“Die armenisch-deutschen Beziehungen entwickeln sich dynamisch”

“Die armenisch-deutschen Beziehungen entwickeln sich dynamisch”

Der Chefredakteur des “Berlin Telegraph” Aleksandr Boyko traf sich mit dem Botschafter der Republik Armenien in der BRD Ashot Smbatyan und stellte ihm mehrere Fragen zu den armenisch-deutschen Beziehungen.

A.B.: Vor sieben Monaten wurde im Zusammenhang mit der in Deutschland gemeldeten Coronavirus-Pandemie ein Quarantäneregime eingeführt. Wie hat sich das auf die bilateralen Beziehungen zwischen Armenien und Deutschland ausgewirkt?

A.S.: In der Tat nahm die COVID-19-Pandemie ihr Korrektiv sowohl in der Weltpolitik als auch in den Beziehungen zwischen verschiedenen Staaten vor und wirkt sich weiterhin aus. Natürlich konnten diese Realitäten die bilateralen Beziehungen zwischen Armenien und Deutschland nur beeinflussen.
Gleichzeitig ist es uns trotz der schwierigen Zeiten gelungen, das festgelegte Tempo auf der bilateralen Agenda beizubehalten und unsere umfassende Arbeit sowohl persönlich als auch aus der Ferne fortzusetzen.

A.B.: Gibt es Pläne, das Verfahren für das Überschreiten der armenischen Grenze zu ändern? Werden im Visa-Regime Lockerungen erwartet?

A.S.: Lassen Sie mich zunächst feststellen, dass für Bürger der Bundesrepublik Deutschland bei der Einreise nach Armenien ein visumfreies Regime gilt. In Bezug auf die Beschränkungen im Zusammenhang mit der Ausbreitung der Coronavirus-Infektion war Armenien natürlich wie viele andere Länder der Welt gezwungen, die Einreise ausländischer Staatsbürger in sein Hoheitsgebiet im Frühjahr vorübergehend zu beschränken. Gleichzeitig ist anzumerken, dass durch den Beschluss der Regierung der Republik Armenien vom 11. August dieses Jahres viele Beschränkungen aufgehoben wurden und derzeit die Einreise ausländischer Staatsbürger nach Armenien zulässig ist, sofern die zweiwöchige Quarantäne eingehalten wird. Darüber hinaus können die Bürger auf Wunsch einen Test auf das Vorhandensein einer Coronavirus-Infektion durchführen und haben im Falle eines negativen Ergebnisses das Recht, die Selbstisolation zu verlassen.

A.B.: Welche Rolle spielt Deutschland als Wirtschaftspartner für Armenien?

A.S.: Die Bundesrepublik Deutschland ist einer der führenden Außenwirtschaftspartner unseres Landes. Es ist der größte Geber für Armenien unter den EU-Ländern und der zweitgrößte unter allen Ländern der Welt.
Einige deutsche Unternehmen sind in Armenien weit verbreitet, und Cronimet ist einer der größten Steuerzahler in der Republik. In Übereinstimmung mit den Vereinbarungen zwischen dem Ministerpräsidenten der Republik Armenien und dem Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland wurde zwischen dem Zentrum für Kreative Technologien Tumo und der KfW Bank eine Vereinbarung über die Eröffnung eines ähnlichen Zentrums “Tumo” im Jahr 2020 in Berlin unterzeichnet. Ich freue mich, dass die Eröffnung dieses Bildungszentrums vor Ende dieses Jahres stattfinden wird, und ich hoffe fest daran, dass das Beispiel der Aktivitäten der Berliner Tumo-Niederlassung der Ausgangspunkt für die Verbreitung dieser hochmodernen Idee in anderen Bundesländern sein wird.

A.B.: Bitte sagen Sie uns, welche Privilegien deutsche Geschäftsleute erwarten, die bereit sind, in die Wirtschaft des Landes zu investieren. Welche Initiativen ergreift Armenien?

A.S.: Unter den vorrangigen Bereichen der armenischen Wirtschaft für Deutschland sind der Bereich Informationstechnologie, die Landwirtschaft zur Herstellung biologischer Produkte und die chemische Industrie von besonderem Interesse.
Es sollte auch beachtet werden, dass Armenien als Mitglied der Eurasischen Wirtschaftsunion ein Bindeglied für die deutsche Wirtschaft sein kann, um in den millionenschweren eurasischen Markt einzutreten. Auf der anderen Seite entwickelt Armenien für beide Seiten vorteilhafte wirtschaftliche Beziehungen zur Islamischen Republik Iran und spielt damit eine besondere Rolle als “Brücke” in der Region.
Gleichzeitig arbeitet Armenien eng mit der Europäischen Union zusammen und nutzt das GSP + -System, das zusätzliche Möglichkeiten eröffnet.

A.B.: Planen Sie einen Besuch von Vertretern der armenischen Behörden in Deutschland?

A.S.: Ein aktiver politischer Dialog wird traditionell zwischen Armenien und Deutschland geführt, wie zahlreiche Besuche auf höchster Ebene belegen. In diesem Zusammenhang ist auf die letzten Jahre hinzuweisen, in denen bilaterale offizielle Besuche der Geschäftsleitung organisiert wurden. Insbesondere sprechen wir über den Besuch des deutschen Bundeskanzlers sowie über die Besuche des armenischen Premierministers und Präsidenten, des Vorsitzenden der Nationalversammlung usw.
Angesichts der allgemeinen epidemiologischen Situation wäre es verfrüht, in naher Zukunft über bestimmte Termine für solche Treffen zu sprechen.

A.B.: Wie ist die Arbeit mit der armenischen Diaspora organisiert?

A.S.: Die armenische Diaspora in Deutschland wird von mehreren Organisationen vertreten. Zunächst sollte die Bedeutung der deutschen Diözese der armenisch-apostolischen Kirche hervorgehoben werden, die eine wichtige Rolle bei der Organisation der Aktivitäten der Gemeinschaft spielt. Eine wichtige Rolle spielen auch der Zentralrat der Armenier in Deutschland e.V. und die Deutsch-Armenische Gesellschaft. In einigen Regionen Deutschlands gibt es eine Reihe anderer armenischer Vereinigungen, Gemeinschaften usw., die ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Organisation des sozialen Lebens der armenischen Gemeinschaft in Deutschland spielen. In vielen Städten gibt es armenische Sonntagsschulen.
Die Botschaft steht in ständigem Kontakt mit der armenischen Diaspora und trägt in jeder Hinsicht dazu bei, verschiedene Veranstaltungen zu organisieren: Konzerte, Ausstellungen, Gedenkveranstaltungen (insbesondere Veranstaltungen zur Erinnerung an die Opfer des Völkermords an den Armeniern im Jahr 1915 im Osmanischen Reich).

A.B.: Welche Rolle spielt Deutschland bei der Lösung des Karabach-Problems?

A.S.: Wie Sie wissen, ist das einzige allgemein anerkannte internationale Format für die Beilegung des Karabach-Konflikts heute der gemeinsame Vorsitz der OSZE-Minsk-Gruppe, die von Russland, den Vereinigten Staaten und Frankreich vertreten wird.
Als Mitglied der OSZE-Minsk-Gruppe hat Deutschland das oben genannte Format stets ausgewogen unterstützt und ist daran interessiert, den Konflikt durch friedliche Verhandlungen zu lösen. Eine friedliche Beilegung des Konflikts wird zum Wohlstand aller drei Konfliktparteien (Berg-Karabach-Republik, Aserbaidschan und Armenien) und der gesamten Region insgesamt beitragen.