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Gesellschaft

Spaziergang in Liebe

Während die einen in Pärchen zur Krönung des Tages zum Abend zweisam und romantisch durch die Städte schlenderten, ließen sich in ca. 2.300 Städten deutschlandweit viele Tausend Menschen ihren Montagsspaziergang nicht nehmen und bekundeten offen und lauthals ihre Liebe zu „Friede, Freiheit, Selbstbestimmung“.

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An einem bestimmten Tag im Jahr besinnt sich die ganze Welt auf die Liebe und dabei ist Deutschland keine Ausnahme. 

Wie schön, dass der Welttag der Verliebten dieses Jahr auf einen Montag fiel!

Während die einen in Pärchen zur Krönung des Tages zum Abend zweisam und romantisch durch die Städte schlenderten, ließen sich in ca. 2.300 Städten deutschlandweit viele Tausend Menschen ihren Montagsspaziergang nicht nehmen und bekundeten offen und lauthals ihre Liebe zu „Friede, Freiheit, Selbstbestimmung“.

Mit viel Kerzen- und buntem Licht und bei stimmungsmachender Musik spazierten auch im scheinbar verschlafenem Münster in NRW dieses Jahr am Valentinstag fast 1.500 Menschen eine von Mal zu Mal länger werdende Strecke durch die Stadt.

Während sich die Spaziergänger für diesen besonderen Tag des Credos bedienten, dass das Eine das Andere nicht ausschließe, schienen die üblichen Gegendemonstranten einer anderen Auffassung zu sein und so gab es letzten Montag kaum jemanden von den energischen Teenagern in Schwarz auf der Laufstrecke zu hören.

Die Polizei und das Ordnungsamt achtete auch dieses mal darauf, die wachsende Flut zu spalten, sobald sie die 750-Teilnehmer-Grenze abschätzen konnten und die Menschen auf das Tragen einer Maske zu kontrollieren. Dabei ergaben sich mehrere Zwischenfälle, die sich die Teilnehmer nirgendwie logisch erklären konnten, außer, dass da einfach eine Quote erfüllt werden müsse. So hielt die Polizei mit vergleichsweise großer Einsatzbereitschaft eine Frau fest, die offensichtlich eine gut sichtbare weiße OP-Maske trug – nur nicht fest über der Nase. Das ließen sich die Spaziergänger nicht einfach so gefallen, blieben stehen, umkreisten das Geschehen und brachten ihren Unmut lauthals zum Ausdruck. Nach einigen Minuten Diskussion konnte die Frau wieder gehen und betitelte das Vorgehen der Polizei als Schikane. Es schleicht sich bei den Spaziergängern der Verdacht ein, dass ein bestimmtes Bild geschaffen werden müsse, wenn solch ein Spaziergang viel zu friedlich verläuft.

Und dafür sorgen u.a. Teilnehmer aus einem Vorort von Münster, die mit ihren Boxen und selbsterstellten Playlisten für entsprechende Musik und gute Laune sorgen: „Wenn man uns schon nicht in die Disco lässt, dann gehen wir eben spazieren!“ ist eine ihrer Lautsprecher-Ansagen.

Auch wenn die Polizei und das Ordnungsamt sich unter einander nicht auf ein abgestimmtes Vorgehen einigen können und wahlweise sogar Atteste gegen das Tragen einer Maske nicht akzeptieren wollen (hier eine junge Frau, die in einer Kurve auf der Höhe des Hauptbahnhofs aus der Menge herausgerissen und von über 10 Polizisten umzingelt wurde), lassen sich die immer mehr werdenden Menschen nicht einschüchtern.

So auch diese eine junge Frau, die uns auf Nachfrage erzählte, dass die Polizei ihren Attest nicht akzeptierten und sogar eine Anzeige gegen sie erstatten wollten, weil das Attest in elektronischer Form vorlag — was bis dahin kein Problem darstellte. Sie sei seit einem Jahr regelmäßig bei den Montagsspaziergängen dabei und folglich auch schon bei der örtlichen Polizei bekannt. Diesmal seien die Polizisten jedoch „unfreundlich und grob“ gewesen. „Ich bin mir sicher, dass mich sogar einige der Herren heute erkannt haben, aber … das war reine Schikane,“ sagt Marina bestimmt. „Ich habe auch nach ihren Dienstausweis-Nummern gefragt – Anzeige folgt.

Was kann man sich aus solchen Situationen für eine Lehre ziehen?

Die selbstsichere junge Erwachsene weiß darauf eine Antwort:

„Meine Lehre.. Auf jeden Fall, immer standhaft bleiben, egal, was sie sagen! Im Endeffekt sind wir im Recht. Man darf sich nicht einschüchtern lassen und muss sein Ding machen.“

Standhaft bleiben also und sein Ding machen – egal, ob es Weihnachten, Neujahr oder der Valentinstag ist. Das Vertreten eigener Rechte auf Demonstration, eigene körperliche Unversehrtheit oder Mündigkeit kennt keine Feiertage.

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