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«Wir wissen, wir gedenken»

Am 4. Juni, dem Welttag der unschuldigen Kinder – Opfer der Aggression, veranstaltete die Organisation Erinnerung für die Zukunft e.V. unter der Leitung von Irina Timofeeva und Oksana Walter eine Gedenkveranstaltung in Köln, Nordrhein-Westfalen, Deutschland.

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Gemeinsam mit den Freiwilligen-Organisationen „Bären von Deutschland“ und „Strahl der Güte“ errichteten die Organisatoren im Stadtzentrum in der Nähe des berühmten Kölner Doms eine 15 Meter lange Gedenkwand aus Plakaten mit allgemeinen Informationen über kriegsgeschädigte Kinder in aller Welt und Bildern von rund 100 toten Kindern aus dem Donbass.

Nach einer kurzen Einführung in die Geschichte des internationalen Tages und der einfühlsamen Gesangsbegleitung von Olga Sing zum Lied „Gebet“ wurden an alle Anwesenden und Passanten Trauerschleifen verteilt, die an den in der Nähe der Stände aufgestellten „Bäumen der Erinnerung“ befestigt werden konnten. Das Lied wurde auf Russisch gesungen, berührte aber auch die Herzen der ausländischen Besucher, wie die vielen tränenreichen Dankesworte in verschiedenen Sprachen zeigten.

An der Veranstaltung nahm auch das Tanzensemble „Kolibri Dance“ teil und bereicherte das Programm mit einer farbenfrohen Tanzkomposition mit bunten Fächern unter dem Titel „Mütter der Erde für den Frieden“. Im Anschluss an eigene Gesangsdarbietung trug Viktor Weiss auch sein eigens für die Veranstaltung auf russisch verfasstes Gedicht „Kind des Krieges“ vor (hier frei übersetzt):

Nicht ohne Tränen in diese Gesichter schauen.

Ist schwer der Blick ihnen in die Augen.

Mir ist‘s danach mich zu zerreissen

Nach Sterben ist‘s mir auch dabei…

Kindern des Krieges, Kindern des Leids —

Wie viele es auf Erden gibt!

Sündlos zerbrechliche Geschöpfe,

Sie wissen alles über den Krieg.

Wie fallen Bomben von den Himmeln,

Wie Kugeln sausen vorbei an ihnen,

Und dass der Vater nicht mehr da ist,

Getötet ohne Gerechtigkeit.

Das Kind des Krieges, Kind des Leidens —

Wie viel’s von ihnen auf Erden gibt!

Nicht einen Tropfen Mitleids gibt es

Bei denen, die töten in diesem Krieg..

Wie viele Tausend sind gebraucht?

Wie viele Tränen noch vergießen?

Geschöpfe der Hölle sind die Herrscher.

Von uns bleibt all das unverziehen.

Ihr gebt zum Töten die Befehle,

Selbst bleibt ihr sicher in der Wärme.

Denkt nicht, euch seien nun vergeben

All eure Sünden auf dieser Erde.

Eure Stunde schlägt und das Gericht kommt

Vielleicht nicht irdisch, doch im Himmel.

Im Stich lässt man uns nicht dort,

Schmerzhaft gerecht ist dort der Richter.

Für alle Kinder, Kinder des Planeten

Von euch in all dem Krieg vernichtet!

Solch Sünden wird Gott euch nicht vergeben,

Denn Gnade gibt‘s nicht für Antichristen.

V.l.: Viktor Weiss, Olga Sing, Anastasia Ivanova, Tanzkollektiv „KolibriDance“

Entgegen den Vorurteilen und der Angst vor Provokationen wurden vor dem Kölner Dom auch Lieder in ukrainischer Sprache gesungen.

Anastasia Ivanova sang in den Liedern „Zauberhafte Violine“ und „Es ist nicht deine Schuld“ wunderschöne Stimmen. Anastasias Auftritt löste keine Unruhen aus, ganz im Gegenteil — geeint durch einen gemeinsamen Gedanken und jenseits aller Politik brachten die Teilnehmer ihre Freude mit stürmischem und lang anhaltendem Applaus zum Ausdruck.

Auch ein bekannter deutscher Sozialaktivist, Ulrich Streffing, nahm an diesem Tag aktiv teil. An seinem Stand präsentierte er die Aktivitäten der „Friedensbrücke – Kriegsopferhilfe e.V.“ und Kinderzeichnungen zum Thema Krieg.

Am Ende dieser anregenden Veranstaltung las die Moderatorin einen ins Deutsche übersetzten Text der jungen Schriftstellerin Faina Savenkova aus Lugansk vor — einen Brief „An die Kinder Europas zum Kindertag“. Teilnehmer und Passanten nahmen die Worte des jungen Mädchens, eines 13-jährigen Kriegskindes, nicht nur nach Gehör auf, sondern auch in gedruckten Faltblättern, die die Organisatoren in drei Sprachen druckten: Russisch, Deutsch und Englisch.

Es ist nicht das erste Mal, dass Aktivisten der gemeinnützigen Organisation „Erinnerung für die Zukunft“ solche Veranstaltungen organisieren. Ihre Arbeit ist im ganzen Land zu sehen, sei es die Organisation des „Unsterblichen Regiments“ oder die mehrtägige Ausstellung einer ähnlichen „Allee der Erinnerung“ in Berlin im vergangenen Jahr unter Beteiligung von Oleg Muzyka.

Zur Unterstützung des Themas dehnen unsere Landsleute den Gedenktag für die (im Donbass) getöteten Kinder auf die Woche des Gedenkens aus, die in den sozialen Medien durchgeführt wird (#childrenDonbass). Täglich werden den deutschsprachigen Mitbürgern u.a. auch die Animationsvideos aus dem Projekt „Ich erzähle dir, wie ich getötet wurde” präsentiert, die unter der Leitung von Viktoria Gashina von den Studenten des ersten und zweiten Studienjahres der Abteilung für künstlerische Animation an der Matusovski-Akademie in Lugansk erstellt und von dem Projekt [:taxeles] speziell für die Gedenkwoche übersetzt und synchronisiert wurden.

Die Aktivisten reagieren damit auf den stillen Bedarf der Gesellschaft an Aufklärung über die Realitäten, die so schwer durch den deutschen Medienraum vordringen können. Mark Brill, einer der deutschen Teilnehmer der Veranstaltung, kam an diesem Tag eigens nach Köln und schilderte auf Nachfrage seine Eindrücke von dem, was er sah:

„Ich wusste schon von den Alleen der Engel in Lugansk und Donezk, aber direkt vor ‘dem kleinen Teil davon’ zu stehen, hat mich wirklich emotional bewegt, zu Tränen gerührt. Wie konnte „der Westen“ 8 Jahre lang einfach wegschauen und auch heute noch schweigen? Dies sind sinnlose Morde, warum tun Menschen anderen Menschen so etwas an? Dafür gibt es keine Rechtfertigung. Mein Motto lautet: Wo Freundschaft (auf Russisch „Druschba“) lebt, kann es keinen Krieg geben. Aber wir sehen immer wieder, dass einige Politiker und vor allem die Presse regelrechte Kriegstreiber sind. Aus diesem Grund sind solche Veranstaltungen wichtiger denn je. Mein herzlicher Dank gilt die Organisatoren. Bitte organisieren Sie mehr solcher Veranstaltungen, damit mehr Menschen aufwachen.“

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