Interview mit dem Außerordentlichen und Bevollmächtigten Botschafter der Republik Tadschikistan in Deutschland, Sohibnazar Gayratsho

Am 9. September 2021 feiert die Republik Tadschikistan das 30-jährige Bestehen ihrer Unabhängigkeit. Es ist ein bedeutendes Datum und ein wichtiges Ereignis für das tadschikische Volk. In den 30 Jahren seines Bestehens auf der politischen Landkarte hat Tadschikistan verschiedene Etappen der Entstehung durchlaufen, darunter schwierige und schicksalhafte für die Erhaltung und Stärkung der Grundlagen der demokratischen Entwicklung. Inzwischen hat die junge Republik bereits mit mehr als 100 Ländern weltweit Handelsbeziehungen aufgenommen.

Der Chefredakteur des Berliner Telegraph, Aleksandr Boyko, traf den tadschikischen Botschafter in Deutschland, Sohibnazar Gayratsho, und befragte ihn zum Stand und den Perspektiven der deutsch-tadschikischen Zusammenarbeit.

A.B.: Herr Botschafter, wie würden Sie die Entwicklung der Beziehungen zwischen Ihrer Republik und der Bundesrepublik Deutschland in diesem Zeitraum bewerten?

S.G.: Am 28. Februar 2022 werden wir 30 Jahre diplomatische Beziehungen zwischen Tadschikistan und Deutschland feiern. Deutschland war das erste EU-Land, das eine diplomatische Vertretung in Duschanbe eröffnete. Seitdem haben sich unsere Beziehungen in einer konstruktiven Atmosphäre entwickelt. Seit den ersten Jahren der Unabhängigkeit engagiert sich Deutschland für den Frieden und den wirtschaftlichen Wiederaufbau des Landes, indem es zunächst humanitäre Hilfe leistete und später die Entwicklungszusammenarbeit unterstützte. Für unser Land ist Deutschland ein wichtiger Partner in Europa. Die rechtliche Grundlage für die tadschikisch-deutschen Beziehungen bilden Dutzende von bilateralen Verträgen und Abkommen, die viele Bereiche der Zusammenarbeit abdecken. Die Parteien verhandeln derzeit über eine weitere Stärkung des vertraglichen und rechtlichen Rahmens.

Es gibt verschiedene Mechanismen der Zusammenarbeit zwischen Tadschikistan und Deutschland. Jedes Jahr finden interministerielle politische Beratungen zwischen den Außenministerien der beiden Länder statt. Es werden Kontakte auf höchster und hoher Ebene gepflegt und regelmäßige interparlamentarische Kontakte hergestellt. Die beiden Länder arbeiten in den Bereichen Rechtsprechung, Justizreformen und Einrichtung eines Schiedsgerichts zusammen. In den Jahren der Unabhängigkeit haben mehrere hundert unserer Studenten und Stipendiaten an deutschen Universitäten und Forschungszentren studiert oder Praktika absolviert. Ein wichtiges Ereignis in den bilateralen Beziehungen ist der offizielle Besuch des tadschikischen Präsidenten in Deutschland Ende 2011 und eine Reihe von hochrangigen Treffen, die neue Seiten in den tadschikisch-deutschen Beziehungen aufgeschlagen haben.

Der Bereich Handel und Wirtschaft hat für uns eine hohe Priorität. Der derzeitige Handelsumsatz zwischen den beiden Ländern spiegelt bei weitem nicht die tatsächlichen Möglichkeiten wider. Tadschikistan ist daran interessiert, Direktinvestitionen, Spitzentechnologie und Innovationen aus Deutschland anzuziehen, um seine ungenutzten Ressourcen und landwirtschaftlichen Produkte zu verarbeiten und so seine Wirtschaft zu entwickeln. Eine Reihe von Unternehmen aus Deutschland und anderen EU-Ländern, wie „Andritz Hydro“, „Fichtner“, „Siemens“ und „Willo“, sind an strategisch wichtigen Wasserkraftprojekten beteiligt. Dutzende von anderen Unternehmen und Unternehmern verhandeln derzeit mit tadschikischen Unternehmern über Partnerschaften.

Bis 2020 galt Deutschland als einer der wichtigen Partner Tadschikistans in der Entwicklungszusammenarbeit. Bislang haben die in Tadschikistan durchgeführten gemeinsamen Projekte einen realen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung unseres Landes geleistet.

Insgesamt ist die tadschikisch-deutsche Zusammenarbeit vielschichtig und entwickelt sich dynamisch. Wir sondieren Möglichkeiten der Zusammenarbeit in anderen Bereichen, die in der postsowjetischen Zeit noch nicht erschlossen sind.

Foto: Aleksandr Matveev/Berliner Telegraph

A.B.: Hat die Pandemie die Beziehungen zwischen Tadschikistan und seinen internationalen Partnern beeinträchtigt?

S.G.: Leider ist auch Tadschikistan, wie die meisten Länder der Welt, nicht von der Coronavirus-Pandemie verschont geblieben. Die COVID-19-Pandemie hatte erhebliche negative Auswirkungen auf die tadschikische Wirtschaft und belastete den Sozial- und Gesundheitssektor stark. Beschränkungen der Mobilität der Arbeitskräfte und der Wirtschaftstätigkeit im In- und Ausland haben zu einem Rückgang der Überweisungen von Migranten, einer geringeren Verbrauchernachfrage und weniger Investitionen geführt.

Es wird erwartet, dass sich die Wirtschaft in den Jahren 2021-2022 erholen wird, sofern sich die epidemiologische Situation verbessert, die Überweisungen wieder zunehmen und der internationale Handel wieder aufgenommen wird. Der Inflations- und Wechselkursdruck wird voraussichtlich nachlassen, da die Einfuhrpreise sinken und die Devisenzuflüsse zunehmen. Darüber hinaus wird sich die schwierige Lage im benachbarten Afghanistan zweifellos auf den Zustrom ausländischer Investitionen auswirken. Wir hoffen sehr, dass sich die Lage im leidgeprüften Afghanistan so bald wie möglich stabilisiert.

A.B.: Welche Themen stehen auf der Tagesordnung für Gespräche mit Mitgliedern der deutschen Regierung?

S.G.: Auf der Tagesordnung steht eine breite Palette von Themen der bilateralen Zusammenarbeit. In diesem Jahr planen wir eine Reihe gemeinsamer Veranstaltungen, um den aktuellen Stand und die Perspektiven der Zusammenarbeit in den Bereichen Politik, Handel und Wirtschaft, Investitionen, Kultur, humanitäre Hilfe und anderen Bereichen zu bewerten. Kurzfristig stehen wir vor der Aufgabe, ein tadschikisch-deutsches Unternehmerforum einzurichten und regelmäßige politische Konsultationen zwischen den Außenministerien der beiden Länder abzuhalten, um die Möglichkeiten der bilateralen und multilateralen Zusammenarbeit zwischen Tadschikistan und Deutschland zu analysieren und zu erweitern. Wir arbeiten gemeinsam daran, die Investitionszusammenarbeit zu verstärken und die Handels- und Wirtschaftsbeziehungen zwischen unseren Ländern auszubauen, die ein erhebliches Potenzial aufweisen.

Heute konzentriert sich Tadschikistan zunehmend auf regionale Integration und grenzüberschreitende Zusammenarbeit — sowohl innerhalb Zentralasiens als auch mit anderen Nachbarländern. Wirtschaftliche Integration, gemeinsames Bedrohungsmanagement und Umweltschutz sind einige der vielen Bereiche, in denen Tadschikistan mit allen zentralasiatischen Republiken und anderen Ländern im Rahmen internationaler und regionaler Organisationen zusammenarbeitet. Zu den Prioritäten unserer Zusammenarbeit gehört die gemeinsame und wirksame Umsetzung der regionalen deutschen Initiative „Grünes Zentralasien“, die zur Entwicklung einer grünen Wirtschaft und zur Sicherheit angesichts des globalen Klimawandels in unserer Region beitragen soll.

Jedes Jahr kommen immer mehr junge Menschen aus Tadschikistan nach Deutschland, um hier zu studieren, ein Praktikum zu absolvieren und sich beruflich weiterzuentwickeln. Und natürlich steht auch die Frage der Anerkennung unserer Hochschulabschlüsse in Deutschland auf der Tagesordnung der Zusammenarbeit mit Deutschland.

Natürlich steht auch die Verstärkung der Zusammenarbeit zwischen unseren Ländern bei der Bekämpfung der Coronavirus-Pandemie durch den Austausch von Fachleuten auf diesem Gebiet auf der Tagesordnung, ebenso wie die schnellstmögliche Lösung der aktuellen Situation in Afghanistan.

A.B.: Können Sie uns sagen, welche Privilegien auf deutsche Geschäftsleute warten, die in die tadschikische Wirtschaft investieren wollen? Welche Initiativen bietet Tadschikistan für die Wirtschaftsförderung in Deutschland?

S.G.: Zur Förderung von Investitionen und zur Schaffung eines günstigeren Investitionsklimas hat Tadschikistan eine Reihe von Gesetzen verabschiedet, ein System von Garantien für Investoren und Investitionstätigkeiten eingeführt, eine einheitliche Regelung für in- und ausländische Investoren geschaffen, die Freiheit der Übertragung von Gewinnen und anderen Formen von Einkünften aus Investitionstätigkeiten garantiert und vieles mehr. Die Rechtsvorschriften sehen ein System von Steuer- und Zollpräferenzen vor. Besondere Vorteile sind für Investoren vorgesehen, die in den vorrangigen Sektoren der Wirtschaft des Landes tätig sind, insbesondere beim Bau von Wasserkraftwerken.

Wir fordern die deutsche Wirtschaft auf, sich aktiver an der Umsetzung der vorrangigen Projekte des Landes zu beteiligen. Perspektiven gibt es in vielen Bereichen der Wirtschaft. Als Beispiel kann ich den Energiesektor, die erneuerbaren Energien, die Informations- und Kommunikationstechnologien, die chemische Industrie, die Baustoffe, die Pharmazie usw. anführen. Wir unsererseits sind bereit, der deutschen Wirtschaft auf jede erdenkliche Weise zu helfen, in Tadschikistan erfolgreich zu arbeiten.

Foto: Aleksandr Matveev/Berliner Telegraph

A.B.: Tadschikistan ist ein Land mit großem touristischem Potenzial. Welche Arten von Tourismus bietet Tadschikistan den Deutschen?

S.G.: Tadschikistan ist eine einzigartige moderne Touristenattraktion, weil es ein großes kulturelles und historisches Erbe, eine einzigartige Kultur, eine vorteilhafte geografische Lage, eine Vielfalt von Naturlandschaften, Erholungsgebieten, Flora und Fauna besitzt.

Die wichtigste Perle Tadschikistans ist das Pamir-Gebirgssystem, wo wilde und schöne Natur an Bergwiesen und massive Gletscher, wilde Flüsse und ruhige Seen, höchste Gipfel und tiefe Schluchten grenzt. Professionelle Bergsteiger machen sich jedes Jahr auf den Weg, um die höchsten Punkte des Pamirs zu bezwingen: den Gipfel Ismoil Somoni (7.495 m) und den Gipfel Lenin (7.134 m). Und das Radfahren entlang des Pamirgebirges wird Ihre eigenen Kräfte auf die Probe stellen und die vielseitigste Erfahrung bieten, die man in Zentralasien machen kann.

Ebenfalls in Tadschikistan wäre ein Ausflug zum Sarez-See interessant, der 1911 nach einem starken Erdbeben entstand, als eine riesige Felsmasse die Schlucht bedeckte und zu einem natürlichen Damm auf dem Weg eines Bergflusses wurde.

Für Geschichtsinteressierte bietet Tadschikistan viele Möglichkeiten zur kulturellen Erkundung. Ich empfehle den Besuch des antiken Pendjikent, einer vorislamischen sogdischen Stadt aus dem 8. Jahrhundert, oder Sarazm, einer antiken Stadt, die Gold und Silber exportierte und als die älteste Siedlung Zentralasiens gilt, die 5.500 Jahre alt ist.

Ökotourismus, Bergtourismus (Bergsteigen und Klettern), Gesundheitstourismus (Wasser und Sanatorien) ziehen zweifellos ausländische Touristen an. Ganz gleich, für welche Art des Reisens Sie sich entscheiden, in Tadschikistan finden Sie viele Möglichkeiten für Gruppen- und Individualreisen durch das Land: Abenteuer-, Natur-, historische und kulturelle Touren.

A.B.: Ist es einfach, ein Visum für die Einreise nach Tadschikistan zu bekommen? Wird jetzt die Möglichkeit einer Lockerung der Visaregelung zwischen unseren Staaten in Betracht gezogen?

S.G.: Im Juni 2016 führte die Republik Tadschikistan zum ersten Mal im GUS-Raum ein elektronisches System zur Bearbeitung und Ausstellung von Visa für Bürger aus 78 Ländern ein. Mit dem neuen System soll das Verfahren zur Erteilung von Visa für die Republik Tadschikistan vereinfacht werden, was ein wichtiger Schritt zur Bereitstellung elektronischer Dienstleistungen ist. Um ein elektronisches Visum zu erhalten, muss ein ausländischer Staatsbürger oder Staatenloser ein elektronisches Antragsformular online ausfüllen und den Antrag einreichen, der automatisch vom System des elektronischen Informationsnetzes geprüft wird. Nach Prüfung und positiver Entscheidung über den Antrag wird das elektronische Visum an die E-Mail-Adresse des Antragstellers geschickt, das ausgedruckt und zusammen mit dem Reisedokument vorgelegt werden muss. Die Einführung internationaler elektronischer Zahlungen erleichtert die schnelle Erlangung (manchmal innerhalb weniger Stunden) eines Touristen-Mehrfachvisums für einen Zeitraum von bis zu 90 Tagen für Reisen in die Republik Tadschikistan.

Die Frage der Visaerleichterung zwischen Tadschikistan und europäischen Ländern wird in bilateralen Verhandlungen erörtert. Die Bedingungen für diesen Schritt werden mit der Verbesserung der Situation und der Entwicklung des Tourismus in der postsowjetischen Zeit verknüpft sein.

Foto: Aleksandr Matveev/Berliner Telegraph

A.B.: Wie entwickelt sich die Zusammenarbeit zwischen Tadschikistan und Deutschland im Gesundheitsbereich?

S.G.: Die wichtigsten Bereiche der Zusammenarbeit zwischen Tadschikistan und Deutschland im Gesundheitssektor sind die gemeinsame Tuberkulosebekämpfung, die Gesundheitsversorgung von Müttern und Kindern, die medizinische Notfallversorgung sowie die Behandlung und Prävention von Polio. Dank der verbesserten finanziellen Leistungsfähigkeit der medizinischen Zentren, Kliniken und Krankenhäuser steigt die Nachfrage nach hochwertigen medizinischen Geräten deutscher Hersteller.

Generell hat Tadschikistan eine nationale Gesundheitsstrategie für 2020-2030 verabschiedet. Die Prioritäten der neuen Strategie sind die weitere Verbesserung und der Ausbau der medizinischen Grundversorgung, die Einführung neuer Finanzierungsmechanismen, einschließlich der stationären Versorgung, die Digitalisierung des Gesundheitssystems und die Verbesserung der öffentlichen Gesundheit, die Überwachung und qualitative Umsetzung von Programmen zur impfstoffgesteuerten Infektionskontrolle, die Bekämpfung nichtübertragbarer Krankheiten, Maßnahmen zur Einführung klinischer Standards und Mechanismen zur Qualitätsverbesserung von Gesundheitsdiensten usw. Und es gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten der Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern in diesem Bereich.

Foto: Aleksandr Matveev/Berliner Telegraph

A.B.: Wie entwickelt sich die kulturelle und humanitäre Zusammenarbeit zwischen Tadschikistan und Deutschland?

S.G.: Die Beziehungen zwischen den beiden Ländern haben eine lange Geschichte. Deutschland nahm Beziehungen zu Tadschikistan auf, als unser Land noch ein Teil der Sowjetunion war. In den 1930er Jahren schickte Deutschland in Zusammenarbeit mit russischen Wissenschaftlern eine große Expedition nach Tadschikistan, um Gletscher zu untersuchen, Bodenmessungen vorzunehmen und die Flora und Fauna des Pamir-Hochlandes zu erforschen. Seitdem hat sich die Forschungszusammenarbeit zwischen den beiden Ländern weiterentwickelt und umfasst heute viele Bereiche.

In den 1970er Jahren wurden viele Werke tadschikischer Schriftsteller ins Deutsche übersetzt. Nach der Entstehung Tadschikistans als souveräner Staat mit eigener Staatssprache boten einige deutsche Universitäten, wie die Universität Bamberg und die Humboldt-Universität, deutschen Studenten und Doktoranden das Studium der tadschikischen Sprache und Literatur an.

Im heutigen multilateralen Prozess der Ausweitung und Stärkung der Zusammenarbeit zwischen den Völkern gewinnt der kulturelle Aspekt zunehmend an Bedeutung. Die Kultur spielt eine wichtige verbindende Rolle, und die gegenseitige Bereicherung der Kulturen ist der Weg zum gegenseitigen Verständnis zwischen den Völkern.

Die Zusammenarbeit zwischen der Republik Tadschikistan und der Bundesrepublik Deutschland auf dem Gebiet der Kultur wird durch das Regierungsabkommen über kulturelle Zusammenarbeit geregelt. Diese Zusammenarbeit erfolgt durch den Unterricht der deutschen und tadschikischen Sprache und den Ausbau der Verbindungen zwischen Hochschulen und weiterführenden Schulen. Seit 2010 gibt es in Duschanbe ein deutsches Sprachzentrum. Darüber hinaus werden zwei Gymnasien in Duschanbe und Chudschand von deutschen Experten unterrichtet.

Im Rahmen des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD), des Goethe-Instituts und des Pädagogischen Austauschdienstes kommen Stipendiaten, Studenten und Schüler von weiterführenden Schulen in Tadschikistan mit verschiedenen Stipendien zur Aus- und Weiterbildung nach Deutschland.

Das Nationale Altertumsmuseum Tadschikistans und die Nationale Akademie der Wissenschaften der Republik Tadschikistan führen seit mehreren Jahren gemeinsam mit dem Deutschen Archäologischen Institut (DAI) archäologische Ausgrabungen in verschiedenen Regionen Tadschikistans durch.

Das Institut für Internationale Beziehungen des Deutschen Volkshochschulverbandes (DVV International) und die Deutsche Stiftung für Internationale Zusammenarbeit im Rechtswesen (IRZ) sind zwei weitere deutsche Organisationen, die kontinuierlich mit den tadschikischen Behörden zusammenarbeiten. Mit der Diplomatischen Akademie des Auswärtigen Amtes wurde eine gute Zusammenarbeit aufgebaut. Junge tadschikische Diplomaten nehmen regelmäßig an Ausbildungsprogrammen für ausländische Diplomaten teil.

Die Partnerstädte spielen eine wichtige Rolle bei der Vertiefung des gegenseitigen Verständnisses, dem Ausbau der freundschaftlichen Beziehungen und der Zusammenarbeit zwischen Tadschikistan und Deutschland. Duschanbe und Reutlingen sind seit 1990 Partnerstädte.

Foto: Aleksandr Matveev/Berliner Telegraph

A.B.: Welche Rolle spielen die in Deutschland lebenden ethnischen Deutschen? Was wird getan, um die bilateralen Beziehungen zu fördern?

S.G.: In den späten 80er Jahren des letzten Jahrhunderts lebten etwa 40 Tausend Deutschstämmige in Tadschikistan. Es handelte sich um Nachkommen der Deutschen, die zu Beginn des Zweiten Weltkriegs aus dem europäischen Teil der UdSSR in die zentralasiatischen Republiken, darunter auch Tadschikistan, umgesiedelt wurden. Sie waren über die gesamte Republik verteilt, hauptsächlich im Vakhsh-Tal und in Gebieten im Norden Tadschikistans. Sie beschäftigten sich mit dem Erzbergbau, der Erschließung von Neuland, der Errichtung neuer Gebäude und waren an der Entwicklung der Wasserkraftindustrie des Landes beteiligt. Die Deutschen in Tadschikistan haben sich nie als Fremde betrachtet. Die Gastfreundschaft der tadschikischen Bevölkerung half ihnen, sich schnell an die lokale Bevölkerung anzupassen, und ihre harte Arbeit half ihnen, ihren Platz in der Gesellschaft zu finden und den Respekt der Einheimischen zu gewinnen. Hunderte von internationalen Familien entstanden in Tadschikistan.

Zu Beginn der 1990er Jahre nutzte die überwiegende Mehrheit der Deutschstämmigen das Aussiedlungsprogramm für ihre Landsleute und zog nach Deutschland. Heute leben nur noch einige hundert Deutschstämmige in Tadschikistan. Doch als sie die Republik verließen, hinterließen sie ein originelles architektonisches Erbe. In vielen Dörfern und Städten Tadschikistans gibt es Häuser, die von deutschen Bauherren gebaut wurden — stabil und von guter Qualität, wie alles, was in Deutschland hergestellt wird.

Heute nehmen Deutschstämmige aus Tadschikistan aktiv am deutschen Kultur- und Wissenschaftsleben teil, und ihre Nachkommen pflegen weiterhin die Beziehungen zu ihren verbliebenen Verwandten sowie zu Freunden und Kollegen. Statistiken zufolge ziehen es viele unserer ehemaligen Landsleute vor, ihren Urlaub in ihrem historischen Heimatland Tadschikistan zu verbringen.

A.B.: Welche Formen der Arbeit mit der tadschikischen Diaspora gibt es?

S.G.: Die Arbeit mit der Diaspora ist eine der wichtigsten Aktivitäten der Botschaft, die in den grundlegenden normativen Akten wie dem „Außenpolitischen Konzept der Republik Tadschikistan“ verankert ist. Die Aktivitäten der Botschaft in diesem Bereich zielen auf den aktiven Schutz der Rechte, Interessen und der Würde der Bürger der Republik Tadschikistan in Deutschland durch die Schaffung einer umfassenden Rechtsgrundlage und die Ausweitung der konsularischen Präsenz in den Bundesländern, in denen sich Staatsbürger des Landes auf engem Raum aufhalten, die rechtliche und kulturell-aufklärerische Unterstützung der Landsleute auf der Grundlage internationaler Rechtsakte und internationaler Abkommen der Republik Tadschikistan, die Unterstützung von Verbänden von Landsleuten und den Schutz der ethnisch-kulturellen Identität, einschließlich der Muttersprache im Rahmen der Bundesgesetze; die Unterstützung bei der Ausübung der Tätigkeit der deutsch-tadschikischen Gemeinde und anderer Vereinigungen für die Stärkung der Kontakte mit den Landsleuten, Heranziehung deren Potenzials für die Bildung der politischen, wirtschaftlichen und geistig-kulturellen Zusammenarbeit, der Schaffung einer Interessensatmosphäre und wohlgesonnenen Einstellung zu Tadschikistan und seinem Volk seitens der deutschen Gesellschaft.

Die jungen Menschen in Tadschikistan bilden heute eine aufstrebende Bevölkerungsschicht, die im Geiste menschlicher Werte erzogen wurde und mehrere Fremdsprachen spricht. Seit dem Inkrafttreten des neuen Fachkräftezuwanderungsgesetzes in Deutschland wollen viele qualifizierte junge Menschen aus Tadschikistan ihre Chance nutzen und ihr Glück in Deutschland suchen. Die Zahl der tadschikischen Schüler, die Berufsschulen besuchen und in verschiedenen Lebensbereichen in Deutschland arbeiten, steigt von Jahr zu Jahr. Ein solcher Studienaustausch trägt zweifellos zur Einführung bewährter Praktiken in der Wirtschaft und im sozialen Leben unseres Landes bei.

An diesem besonderen Tag für das tadschikische Volk appelliere ich an unsere deutschen Partner: Die Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und Tadschikistan können weiter ausgebaut werden. Das ernsthafte Interesse der tadschikischen Seite am Ausbau der tadschikisch-deutschen Handelsbeziehungen kann nicht bezweifelt werden und sollte von deutscher Seite zielgerichtet unterstützt werden!

Ich möchte diese Gelegenheit nutzen, um unseren Landsleuten sowie den deutschen Bürgern, die früher in Tadschikistan lebten, zum 30. Jahrestag der staatlichen Unabhängigkeit der Republik Tadschikistan zu gratulieren und ihnen Gesundheit, Glück und Wohlstand wünschen. Ich appelliere an Doktoranden, Studenten und Auszubildende: Werden Sie zu „Brückenbauern“, studieren Sie das Know-how und die wichtigen Errungenschaften der modernen Wissenschaft, teilen Sie sie mit unseren Landsleuten, damit unser gemeinsames Heimatland gedeihen kann. Ich danke Ihnen.