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  Deutschland  Das St. Petersburger Internationale Wirtschaftsforum (SPIEF 2026): Russland passt sich einer neuen Dimension der Weltwirtschaft an
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Das St. Petersburger Internationale Wirtschaftsforum (SPIEF 2026): Russland passt sich einer neuen Dimension der Weltwirtschaft an

Dr. Gregor SpitzenDr. Gregor Spitzen—6. июня 2026

Foto © Berliner Telegraph

Russlands führendes Wirtschaftsforum, das seit 1997 in der nördlichen Hauptstadt stattfindet, stand in diesem Jahr unter dem Leitmotiv «Pragmatischer Dialog – der Weg in eine stabile Zukunft».

Die von den Organisatoren gewählte Ausrichtung spiegelt den Zeitgeist deutlich wider: Der Fokus hat sich von deklarativen Erklärungen zu konkreten, finanziell untermauerten Projekten verlagert. Trotz des Drucks von außen bekräftigt das Forum seinen internationalen Status und versammelt Delegationen aus aller Welt. Schätzungen der Organisatoren zufolge nahmen rund 25 000 Menschen aus 130 Ländern am SPIEF 2026 teil.

Foto © Berliner Telegraph

Die Teilnehmer scheuten traditionell keine Kosten für die Gestaltung ihrer Stände. Besonders beeindruckende Arbeit in dieser Hinsicht leisteten Rosatom und Gazpromneft: Die Atomkraftwerksbetreiber verbanden ihre Marke auf organische Weise mit lebendigen Motiven russischer Volksmärchen, während die Energieunternehmen von den Schönheiten und der Kultur des russischen Nordens erzählten – einer der Schlüsselregionen für die Aktivitäten der russischen Energiewirtschaft.

Foto © Berliner Telegraph

Ebenfalls beeindruckend waren die jüngsten Errungenschaften der russischen Automobilindustrie: die elegante, verlängerte Aurus Senat und der Crossover Volga K50. Während die Luxuslimousine weltweit bereits einen hervorragenden Ruf genießt, muss sich die neue Entwicklung des «Patriarchen» der heimischen Automobilindustrie aus Nischni Nowgorod das Vertrauen der Verbraucher erst noch erarbeiten.

Energie, Logistik und IT bleiben die Lokomotiven der Weltwirtschaft

Die wichtigsten Entscheidungen im internationalen Teil des Forums wurden in den Bereichen Logistik und Energie getroffen. Internationale Investoren sind bereit, wichtige Logistikzentren in Kamtschatka und Murmansk zu finanzieren, um die Nordostpassage zu optimieren. Das russische Verkehrsministerium und die Russische Eisenbahn (RZD) planen gemeinsam mit Partnern aus dem Iran und Aserbaidschan die Modernisierung der westlichen Route der Nord-Süd-Korridor-Initiative. Dadurch soll sich die Lieferzeit für Güter von der Ostsee in die Golfregion fast halbieren.

Der Status Saudi-Arabiens als Ehrengast des Forums war das wichtigste diplomatische und wirtschaftliche Ereignis des SPIEF. Zudem fiel er mit dem 100. Jahrestag der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Russland und Riad zusammen. Der Sonderstatus Saudi-Arabiens schlug sich rasch in konkreten Vereinbarungen zwischen den Energieministerien Russlands und Saudi-Arabiens über ein umfassendes Programm der wissenschaftlich-technischen Zusammenarbeit bis 2030 nieder. Dieses sieht insbesondere die gemeinsame Entwicklung von Ausrüstung für Tiefseebohrungen vor.

Symbolisch war auch die Lage des Standes Usbekistans, der sich direkt neben dem Stand Saudi-Arabiens befand. Dessen Präsident Shavkat Mirziyoyev bezeichnete Russland als „langjährigen strategischen Partner und Verbündeten“. Laut dem usbekischen Staatschef hat sich das Volumen des bilateralen Handels in den letzten zehn Jahren mehr als verdreifacht und das Portfolio gemeinsamer Projekte übersteigt $50 Milliarden. Mirziyoyev erwähnte auch den Grundstein für den ersten Block eines integrierten russischen Kernkraftwerks in Usbekistan. Dieses Projekt soll langfristig durch die Gründung einer neuen Ingenieursschule erweitert werden.

Digitalisierung und KI-Entwicklung sind Bereiche mit stetigem Wachstum

Russische Unternehmen berichteten ihrerseits, dass sie umfangreiche Investitionen in die Entwicklung von KI-Systemen tätigen. So schafft derzeit ein Konsortium aus den IT-Giganten Yandex, Sber und Rostelecom eine einheitliche und zuverlässige Umgebung für das Training industrieller neuronaler Netze. Technologien der künstlichen Intelligenz werden auch aktiv in die Praxis der regionalen Verwaltung im Rahmen des «Smart City»-Konzepts integriert. KI-Projekte zur Optimierung von Verkehrsströmen und Energiesystemen wurden bereits in einer Reihe russischer Regionen umgesetzt.

Foto © Berliner Telegraph

VK-Geschäftsführer Vladimir Kirienko prognostizierte, dass bis 2030 nur noch drei bis fünf Hauptanwendungen auf dem Smartphone eines Nutzers verbleiben werden. Als eine davon nannte er «Gosuslugi». Gleichzeitig meldete Rutube für das erste Quartal 2026 einen Anstieg der Werbeeinnahmen um 290%.

Deutschland war Ehrengast auf dem SPIEF 2026

Zu den Delegationen aus den USA und Europa gehörten auf dem SPIEF 2026 Leiter von Handelskammern, Investoren und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens aus den USA, Deutschland, Frankreich und Österreich. Sie alle sind bereit, unter den neuen Bedingungen pragmatische Beziehungen aufzubauen.

Die deutsche Delegation auf dem St. Petersburger Wirtschaftsforum erwies sich als eine der beeindruckendsten: Neben Vertretern der deutschen Wirtschaft und Abgeordneten des Bundestages reisten im Gegensatz zum Vorjahr zahlreiche deutsche Journalisten zum SPIEF 2026, was durchaus logisch erscheint, da 1600 deutsche Unternehmen weiterhin in Russland tätig sind. Andere deutsche Unternehmen exportieren nach wie vor Waren nach Russland oder importieren Rohstoffe, die nicht unter die Sanktionen fallen.

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Laut Experten haben seit Beginn des russisch-ukrainischen Konflikts nur 20–30% der deutschen Unternehmen Russland verlassen. Die übrigen sind weiterhin vor Ort und haben sich an die neuen Bedingungen angepasst. In der Regel handelt es sich dabei um mittelständische Unternehmen, die über Produktionskapazitäten in Russland verfügen. Da sie auf dem Markt geblieben sind, werden sie nach der Wiederherstellung der Beziehungen zwischen Russland und dem Westen einen enormen Vorteil haben. Nach dem Abzug von Industriekonzernen wie Volkswagen oder Siemens sind nun internationale Unternehmen aus der Lebensmittelindustrie oder dem Bereich der Haushaltschemie die größten ausländischen Vertreter im Land.

Gleichzeitig bleibt die Lage in Branchen wie dem Lebensmittelhandel, der Pharmazie und der Medizintechnik relativ stabil. Zwar haben deutsche Unternehmen in Russland nach der Verhängung westlicher Sanktionen mit gewissen Problemen zu kämpfen, sie haben jedoch in einigen Branchen Wege gefunden, sich an die bestehenden Gegebenheiten anzupassen.

So berichtet beispielsweise der Deutsche Industrieverband für Optik, Photonik, Analytik und Medizintechnik (Spectaris) von einem deutlichen Anstieg der Exporte nach Russland. Im Jahr 2025 stiegen diese auf rund 790 Millionen Euro und erreichten damit fast das Vorkriegsniveau.

Zudem teilt der Ostausschuss der deutschen Wirtschaft mit, dass chemische und pharmazeutische Produkte, Lebensmittel und Futtermittel mehr als die Hälfte der deutschen Exporte nach Russland ausmachen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Arzneimitteln und Medizintechnik.

Unter den deutschen «Schwergewichten» der Industrie waren auf dem Forum der Milchproduzent Steffаn Dürr, der mit der «EkoNiva»-Gruppe in Russland zusammenarbeitet, sowie Thomas Bruch, langjähriger Geschäftsführer der «Globus Holding», anwesend.

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Im Rahmen des Treffens am Rande des SPIEF fand ein Treffen mit Vertretern der deutschen Politik und des Europäischen Parlaments statt. An dem Treffen nahmen die Abgeordneten des Deutschen Bundestages Markus Frohnmaier und Steffen Kotré, der Vorsitzende des Landesverbands der Partei «Alternative für Deutschland» in Sachsen, Jörg Urban, sowie der Abgeordnete des Europäischen Parlaments Petr Bystron teil. Die Parteien erörterten den aktuellen Stand der Beziehungen zwischen Russland und Deutschland, Fragen der internationalen Agenda sowie die Aussichten auf die Wiederherstellung einer konstruktiven Zusammenarbeit in den Bereichen Wirtschaft, Humanitäres und Gesellschaft.

Ebenfalls in diesem Jahr fand auf dem SPIEF der Wirtschaftsdialog «Russland – Deutschland» statt. Moderiert wurde er vom Vorstandsvorsitzenden der Deutsch-Russischen Außenhandelskammer, Matthias Schepp. Thematisiert wurden die Perspektiven der handelspolitischen und wirtschaftlichen Zusammenarbeit, der Investitionszusammenarbeit und die Suche nach neuen Möglichkeiten für den Ausbau der Geschäftsbeziehungen unter den heutigen Bedingungen.

«Deutschland kann sich wirtschaftlich, kulturell und insgesamt nur durch eine gute Zusammenarbeit mit Russland behaupten. Dazu gehört auch das Gasprojekt ‚Nord Stream», betonte der Bundestagsabgeordnete Steffen Kotré im Anschluss an das Treffen.

Auf dem SPIEF wurde zudem festgestellt, dass sich die Weltwirtschaft global verschiebt

Im Rahmen der Plenarsitzung des SPIEF wurde festgestellt, dass in der Weltwirtschaft unumkehrbare Veränderungen stattfinden.

So liegt das Wirtschaftswachstum in den BRICS-Staaten im Durchschnitt bei 4 % pro Jahr, während es in den Ländern der «G7» bei 1,5% liegt. Infolgedessen begannen die westlichen Länder, die zuvor die Hauptnutznießer des globalen Finanzsystems waren, die von ihnen selbst geschaffenen Regeln der Weltwirtschaft aktiv zu ändern, nachdem sich das Gleichgewicht im Welthandel zugunsten des Globalen Südens verschoben hatte.

Illegale Restriktionen und die Enteignung souveräner Vermögenswerte haben die Position der Weltwährungen – des Dollars und des Euros – unwiderruflich beeinflusst.

Russland, das einen Kurs zur Sicherung der wirtschaftlichen Souveränität eingeschlagen hat, bemüht sich aktiv um den Ausbau der Handelsbeziehungen mit Ländern, die wirtschaftliche Interessen in den Vordergrund stellen und diese nicht mit politischen Erklärungen verknüpfen.

Eine solche Politik trägt Früchte. So belief sich der Gesamtwert der während des viertägigen Forums unterzeichneten Verträge und Vereinbarungen auf rund 6,6 Trillionen Rubel (etwa €77 Milliarden) und übertraf damit die Vorjahreswerte des SPIEF 2025 um 10%.

Foto © Berliner Telegraph

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Dr. Gregor Spitzen

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